Diskurs und Reaktionen zur dritten Sendung: Ende der Privatheit?

Veröffentlicht am von Claudia Bremer

Einmal im Netz – immer im Netz

Die dritte Sendung ruft ja geradezu zu Reaktionen auf! Mit der Diskussion um die digitale Privatspäre schliesst sie hervorragend an dem letzten Thema, den Sozialen Medien an, und stellt in wunderbarer Weise den Spagat zwischen den Vertretern der Post-Privacy-Bewegungen auf der einen und den Bedenken zugunsten des Datenschutzes und Schutz der Privatspäre auf der anderen Seite dar.

Die ersten Reaktionen in Twitter und den Kommentaren zeigen die Divergenz der Meinungen auf. Wo sind Sie zu verorten? Twittern Sie Privates? Sollen wir mit den Überwachungstechnologien und den digitalen Möglichkeiten zum Ende der Privatheit leben, sie hinnehmen, dagegen angehen oder nur dafür sorgen, dass sie nicht in die falschen Hände geraten, wie David Brin in der Sendung in Bezug auf den Band „Auf dem Weg in die „transparente Gesellschaft“ zitiert wird.

Teilen Sie Ihre Meinung hier im Netz mit. Gerne können Sie auch anonym Stellung beziehen wie der Beitrag von N.N. unter Zusatzmaterial zur dritten Sendung – auch dies ist willkommen! Wir freuen uns über Ihre Reaktionen.

Speziell für die Eltern und Lehrer unter Ihnen, aber auch für alle Interesierte, stellt sich hier auch die Frage: Welche Rolle den Schulen in diesem Kontext zukommt. Es gibt eine bewahrungspädagogische Haltung, Kinder und Jugendliche quasi vor Schaden im Netz zu bewahren. Oder sie aufklärerisch zu qualifizieren, sich selbst zu schützen. So spiegelt sich das Ziel, bei Kindern und Jugendlichen ein Bewusstseins über die Gefahren im Umgang mit Medien und einen entsprechend kompetenten Umgang zu entwickeln, sich z.B. auch als ein Kompetenzbereich in vielen Medienbildungskonzepten für Schulen der Länder wieder.

Welche Haltung haben Sie dazu?

Ich möchte schliessen mit einem Zitat von Bernhard Pörksen aus der Sendung:

„Handele stets so, dass Dir die öffentlichen Effekte Deines Handelns langfristig vertretbar erscheinen, aber rechne damit, daß Dir das nicht nützt“

Viel Spass mit der dritten Themenwoche!

Ihre Moderatoren, Claudia Bremer und Jochen Robes

Über Claudia Bremer
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3 Antworten auf Diskurs und Reaktionen zur dritten Sendung: Ende der Privatheit?

  1. Internet 2.0 oder Von der Gefahr zu verblöden

    Seit Mitte der 90er Jahre, seit der PC und auch das Internet für Privatanwender verfügbar ist, nutze ich beruflich und privat das Netz. Die Veränderungen im Web, die zunehmenden Möglichkeiten an Daten aller Art zu gelangen, die sich erweiternden Kommunikationsmöglichkeiten in Form von Text, Ton und Bild sind bis heute auch für einen distanziert kritischen Nutzer wie mich oft hilfreich. Aber eben nicht immer. Viele Informationen zu einem Thema sind – egal aus welcher analogen oder digitalen Quelle – unvollständig. Diese Vereinzelung des Wissens, diese Fragmentierung, erfordert einen gewissen Zeitaufwand aus andern Quellen die fehlenden Puzzelteile zu besorgen. Zu oft geht dabei Zeit verloren, die für andere, möglicherweise wichtigere Dinge des Lebens fehlt (perönliche, soziale Kontakte, Familienleben). Oft kommt man durch das Nachschlagen in einem geeigneten Buch schneller zum gewünschten Ergebnis. Das Internet ist definitiv ein Zeitfresser.

    Fortschritt durch Technik?

    Genau dies ist der Punkt, der nach über 20 Jahren Computernutzung für mich im Zentrum der Internetproblematik steht. Hat der Rechner, hat das Internet die Menschheit insgesamt gesehen, kulturell und human nach vorne gebracht, oder haben sich nur Inhaltsmenge, Inhaltsart und Betrachtungs- und Darstellungsweisen geändert? Aus meiner persönlichen Perspektive als Lehrer und Familienvater muss ich das Letztere annehmen! Denn eines steht fest: Wissen ist nicht gleich Bildung! Auch nicht das „Gewusst wie“ führt automatisch zu mehr Erkenntnis. Eher ist durch den Missbrauch der Technik ein großes Einfallstor für manipulative Absichten (Cyberwar, Internetkriminalität usw.) geschaffen worden. In einem Ausmaß das mir in den vor Computerzeiten nicht bekannt war.

    Nüchtern betrachtet ist der Rechner nur eine Maschine, deren Bedienung man genauso lernen muss, wie Autofahren. Diesen Vergleich halte ich für passend, denn genauso wie nach der Erfindung des Autos, nach der zunehmenden Mobilität, der gesteigerten Verkehrsdichte, der Verkehrstoten durch Rücksichtslosigkeit, Unvermögen bzw. Unerfahrenheit, ist die digitale Welt auf einer Autobahn des Datenflusses, auf der es Gewinner und Verlierer gibt. Wenn man diese begonnenen Analogismus gedanklich weiter spinnt, kann man m. E. nur zu dem Schluss kommen, dass das noch sehr junge Internet Verkehrsregeln braucht, und Fahrer, die sich ihres Tuns bewusst sind.

    Soziale Netze

    Die Art und Weise, wie manchmal in Onlinekommentaren zu einem Artikel Stellung genommen wird, erinnert mich sehr an halbstarke, adrenalingesteuerte Autofahrer, die mit Imponiergehabe oder Proletentum ihr Revier markieren wollen. Andersdenkende werden oft verunglimpft, sozusagen niedergehupt ;-). Selten habe ich bisher sachliche oder gar tiefgründige Kommentare oder Blogs lesen können. Viele Einträge auf Facebook, Twitter und Co. empfinde ich eher als einen „Jahrmarkt der Eitelkeiten“ denn als substanzielle Bereicherung. Da ist mir zu viel Geplaudere, zu viel „Small Talk“. Die Sozialen Netzwerke verkaufen möglicherweise ihren Nutzern nur das Gefühl von Wichtigkeit. Hier kommt mir das Märchen von „Des Kaisers neue Kleider“ in den Sinn. Oder anders ausgedrückt: Eine gesunde Distanz zu neuen Entwicklungen, ein kritisches Begleiten des Geschehens hilft die Informationsspreu vom Informationsweizen zu trennen.

    Die technisch-gesellschaftlichen Entwicklungen in der westlichen Welt, gestützt auf den vermeintlichen technischen Fortschritt, haben in der kulturellen Rückschau auch bezgl. sozialer Netze)die Menschheit nicht wirklich weiter gebracht. Ja, das Leben ist bequemer geworden, angenehmer und leichter. Ob aber im hundert Jahren von unserer digitalen Welt noch eine Erinnerung bleibt, wage ich zu bezweifeln.

  2. Chris Schuth sagt:

    Durch Transparenz eine bessere Welt schaffen zu wollen, ist eine hehre Absicht. Da aber nicht alle alles verstehen, was sie wissen wollen, käme ich mir bei einer freiwilligen oder geforderten Offenheit recht bloßgestellt vor.

    Seit 1998 nutze ich das Internet und habe mir damals eine E-Mail-Adresse der Rheinzeitung zugelegt, weil dort diese in ihrem Domain-Name meinen Wohnort integrierten: „vorname.nachname@mainz-online.de“. Das fand ich toll.

    Diese E-Mail-Adresse benutzte ich allerdings nie bei allgemeinen Anfragen, Kommentaren oder Foren, um die Rückverfolgung auf meine Person zu erschweren. Im Prinzip mache ich das immer noch so – auch in Facebook. Dort findet mich unter einem Pseudonym nur, wer zu meinen acht Freunden gehört. Es gibt keinen Hinweis auf Status, Alter etc …
    Post-Privacy entspricht nicht meinem Lebensgefühl.

  3. Siegfried Werner sagt:

    Handle klug und bedenke die Folgen –
    Wahlspruch im Wappen derer von Bothmer bei Klütz/Mecklenburg –
    besitzt 2 x 2 Seiten: Einmal wie klug – zum anderen, welche Folgen sind zu überblicken?

    Ich zweifle nicht daran, mittels des PC und des Internet klüger handeln zu können, sorge mich jedoch darum, wie andere mein Handeln auswerten und zu manipulieren versuchen! Sie haben an Orten der Welt dafür Möglichkeiten, von denen ich nichts wissen kann!
    Um das hinkende Beispiel mit dem Auto der vorigen Antwort aufzugreifen: Ich bin vor Verfolgern nicht sicher. Die Mühe eigener Fahrweise ist vergeblich, diese abzuschütteln wird nicht gelingen.
    Deshalb also die stete Mühe, ein volles Mailkonto zu leeren, bei Wikipedia die vielen Informationen zu werten, sich mehr Zeit zu nehmen.
    Stroh oder Weizen zu dreschen – die Ernte wird durch mich zu bestimmen sein!
    Mein LEBENSGEFÜHL ist erweitert und vielfältiger bei Gut und Böse geworden, weil eine 2. virtuelle Welt gemeinsam gestaltet wird!

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