Zusammenfassung der Themenwoche „Digitale Boheme – Netzkultur als Lebensstil“ (14)

Veröffentlicht am von pelzer

Eine rege Beteiligung im Etherpad (www.kirchenpad.de/p/funkkolleg) zur vierzehnten Themenwoche liegt hinter uns; auch einige Kommentare in Facebook sowie Blogbeiträge wurden gepostet. Es war spannend, wie bereichernd die Einschätzungen aus verschiedenen Blickwinkeln sein können: Es waren Professoren, Rentner/innen, Freelancer, Lehrkräfte und viele weitere Hörerinnen und Hörer aktiv.

Ein Hauptgedanke ist wie folgt: Die Änderungen durch die Netzkultur sind sehr tiefgreifend, gerade in Bezug auf die Arbeitswelt (in Form von Cloud-Diensten, Firmenportalen etc.). Die Auswirkungen sind deutlich spürbar. Da es kein Zurück mehr gibt, bedarf es einer aktiven Auseinandersetzung – so das Fazit unlängst in einer Diskussion auf der hr2-Funkkolleg Facebookseite.

Zum Abschluss der Themenwoche fassen wir für Sie die Kernthemen und Argumente aus den Diskussionen zusammen. Zur Übersichtlichkeit haben wir zwei Bereiche gebildet:

Bereich Schule – Wissen:

BEOBACHTUNGEN:

  • Im Bereich der Schulen wurde deutlich, dass eine Kompetenzvermittlung an die Schüler/innen nötig ist, aber oftmals auch Grundlagen in Form der technischen Ausstattung fehlen.
  • Auch wurde der Generationenunterschied mehrfach thematisiert: Die Selbstverständlichkeit der Netzkultur in der Jugendkultur kam öfters zur Sprache.
  • Durch offene Formate (Wikis, Etherpads) ist Beteiligung möglich. Dies wurde mehrfach als Chance genannt.
  • Emails verlieren bei jungen Menschen an Bedeutung, Netzwerke a la Facebook werden wichtiger als Ort der Kommunikation.
  • Wissen wird zunehmen online abgerufen, aber die Eigenständigkeit in der Bearbeitung sinkt bisweilen dadurch.
  • Informationen können zwar leichter beschafft werden, aber nicht unbedingt leichter verarbeitet werden (Kompetenz der Kontextualisierung von Informationen fehlt).

KONSEQUENZEN

  • Deutlich war im Etherpad die Forderung nach Einbindung des Internets in die Bildung zu lesen, denn die lernende Generation ist in technischen Fragen der lehrenden Generation voraus. Medienkompetenz wird immer wichtiger.
  • Es entstehen verschiedene Bereiche in der Gesellschaft, verschiedene Gruppierungen, die sich auch durch die unterschiedliche Internetnutzung abgrenzen lassen. Wichtig ist ein Verständnis für die verschiedenen Lebenswelten (Natives/Immigrants/Outsiders vgl. DIVSI Studie 2012).

Privatbereich – Arbeitswelt:

BEOBACHTUNGEN:

  • Monopole verschwinden; in vielen Bereichen (Arzt, Ämter etc.) sinkt die Abhängigkeit von Experten und der Austausch im Netz ermöglicht eine aktive eigene Orientierung.
  • Zeiterleichterung durch Terminabsprachen, Wissenssuche, Wikipedia und zeitsynchrone Kommunikation.
  • Die Nutzung ist ein Zeitfresser und man wird schnell absorbiert.
  • Kontrolle ist möglich (über GPS und Ortung).
  • Die Individualisierung und Vereinzelung nimmt zu, Nutznießer sind die großen Konzerne, die davon profitieren, dass Freelancer sich selbst ausbeuten und dadurch ausgebeutet werden können.
  • Der Blick für den Wert der Arbeit geht eher verloren. Politische Entscheidungen, die nötig wären, um an den Verhältnissen etwas zu ändern, werden davon nicht beeinflusst.

KONSEQUENZEN:

  • Man sollte Souverän seiner Zeit sein und sich nicht beherrschen lassen von den Techniken. Man muss sich aktiv vor Burnout schützen.
  • Die sozialen Kompetenzen bleiben wichtig und können nicht online ersetzt werden. Persönlicher Kontakt bleibt für Geschäftsbeziehungen weiter die Grundlage.
  • Die Art politischer Dramaturgie verändert sich und wird durch die sozialen Medien beinflussbar.
  • Die Kontrolle der Netzwerke wie Facebook sollte weggehen von privaten Firmen zu den Nutzern.
  • Es bedarf einer guten Zeiteinteilung, sich nicht absorbieren zu lassen.
  • Guter Journalismus ist auf Basis des Kostenlos-Modells von Google und Co. nicht möglich.

Wir hoffen Sie hatten Freude und Erkenntnisse in dieser Themenwoche, die Sie aktiv mitgestaltet haben.

Wir freuen uns weiterhin mit Ihnen zusammen durch dieses spannende hr2-Funkkolleg zu moderieren, wünschen einen schönen Freitag und bis morgen zur fünfzehnten Sendung!

Hinweise der Woche:

  1. Ein MOOC für die Volkschulen:
    http://www.weiterbildungsblog.de/2013/02/28/ein-mooc-fur-die-volkshochschulen/
  2. Eine Übersicht aktueller Call-for-papers:
    http://lernspielwiese.wordpress.com/2013/02/24/call-for-papers-uber-call-for-papers-was-alles-zur-einreichung-im-raume-steht-mmc13/

Ihre Moderatoren Jennifer Kreß, Franz Josef Röll und Jürgen Pelzer.

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