Eröffnung der Themenwoche 15: Im digitalen Nirwana – Bildschirm-Faszination und Zeitmanagement

Veröffentlicht am von pelzer

Kennen Sie das auch?

Man sitzt vor dem PC, surft noch kurz auf jene Seite und klickt noch auf diesen einen spannenden Link – und schon sind Stunden wertvoller Zeit vernichtet – ohne das man so recht gemerkt hat, wie es ging.

In der vergangenen Woche wurde es in den Diskussionen im Etherpad öfter genannt: Das Phänomen der Zeitabsorption durch die digitalen Medien. Ein Phänomen, das uns nun eine ganze Woche beschäftigen wird:

Damit herzlich willkommen zur Themenwoche 15 –
„Im digitalen Nirwana – Bildschirm-Faszination und Zeitmanagement“

In der aktuellen Sendung ( http://www.hr-online.de/website/radio/hr2/index.jsp?rubrik=76183 ) wird Kathrin Passig zitiert: Wenn man morgens zunächst nach dem Internet greift, ist das ein erstes Anzeichen für Sucht?!

Was für Passig eine besondere Gefahrenquelle darstellt: Das Handy bzw. Smartphone. Vielleicht kennen Sie diese Szenen auch, wenn man in die U-Bahn einsteigt und es kommt einem jemand entgegen, der nur Augen für sein Gerät hat? Er wischt eifrig mit dem Daumen in alle Richtungen auf seinem Smartphone hin und her – und hat keine Augen mehr für die Mitmenschen und das Geschehen um ihn herum – Ohren sowieso nicht, denn diese sind deutlich sichtbar  über Ohrstöpsel mit dem Smartphone und der Welt dahinter verbunden.

Der Soziologe Hartmut Rosa bezeichnet dies als das Paradox der modernen Gesellschaft: Obwohl wir dank der digitalen Medientechnik Zeit im Überfluss gewinnen, haben wir immer weniger davon. Er sieht drei mögliche Zukunftsszenarien:

  • Erstens der Griff zur Notbremse, wie etwa Walter Benjamin und andere ihn schon früh gefordert haben. Darunter würden alle Ausstiegsszenarien fallen.
  • Zweitens sieht er die finale Katastrophe, d.h. den Kollaps, als Konsequenz der fortschreitenden Beschleunigung. Hierunter fallen  auch Szenarien, wie etwa der in der Sendung angesprochene Paul Virilio sie mit dem Stichwort des rasenden Stillstands bezeichnet (so in seinem neuesten Werk „Der große Beschleuniger“).
  • Oder aber es wird ein Mittelweg gewählt, das dritte Szenario: Die Balance, das Equilibrium zwischen Beschleunigung und Stabilisierung. Ein bewusstes Nutzen der Chancen bei gleichzeitiger Minimierung der eigenen Abhängigkeit. Nötig dazu, wie der Autor Clay A. Johnson dazu schreibt, ist eine digitale Diät – eine bewusste Nutzung.

Was denken Sie?

Wie sollte unsere Gesellschaft mit der Gefahr der Bildschirm-Faszination umgehen? Und vor allem: Wie erhalten Sie Ihre Zeitkompetenz gegenüber der Bildschirm-Faszination? Wie bleiben Sie Herr Ihrer Zeit?

Wir laden Sie ein, sich an dieser spannenden Themenwoche zu beteiligen:  Nutzen Sie die Kommentarfunktion direkt unter diesem Artikel oder kommentieren Sie auf der hr2-Funkkollegseite in Facebook. In Ihrem Blog oder Twitteraccount nutzen Sie bitte den Hashtag #fkmedien.

Zur Vertiefung stehen Ihnen wieder sorgfältig ausgewählte Zusatzmaterialien zur Verfügung.

Auf eine spannende Woche,

Ihre Moderatoren Jennifer Kreß, Franz Josef Röll und Jürgen Pelzer.

 

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2 Antworten auf Eröffnung der Themenwoche 15: Im digitalen Nirwana – Bildschirm-Faszination und Zeitmanagement

  1. Spannende Folge, die mich sogar zu einer PodCast-Episode inspiriert hat: https://soundcloud.com/monika-e-k-nig/mons7-redet-ber-episode2-oder
    … oder kam das nur, weil ich gerade WLAN-los urlaube? :))

  2. Siegfried Werner sagt:

    Hallo Frankfurt,
    Dein Sohn hat in einer deutschen Provinz Weimar die meisten Antworten auf heutige Fragen schon gegeben: Venezianische Epigramme.
    Diese enthalten das Bild vom suchen und finden des Teils der Welt, in dem der Dichter zu wirken gedachte, als er in Venedig sein Talent der Weltbeobachtung ausformte und später die Prägnanz als Lebensprinzip fasste und als „anschauendes Denken“ prägte.
    Ein Epigramm – Nr. 124 betrifft das Pfuschen und den Menschen, alles nur Zweizeiler, der 2. darunter lautet:
    „DAS Gemeine lockt jeden; siehst du von vielen
    Etwas geschehen, sogleich denke nur: dies ist gemein.“ Klingt elitär, ist aber ein sehr guter Filter!
    Schön die Doppeldeutigkeit von gemein, Allgemein hat den Gegensatz das Besondere. Volkstümlich hilft der Filter: Man muß nicht auf jeder Hochzeit tanzen.
    Mein eigener Filter ist die Wertung: Fakten, Fakten, Fakten = Wer hat diese für wen beschafft? Erkenne ich daraus die versuchte Manipulation und verplempere damit die Zeit? Sind diese Fakten für meinen gesuchten und gefundenen Teil der Welt wichtig?

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