Verändertes Frauenbild bei „Tomb Raider“

Veröffentlicht am von fjroell

Lara Croft in Tomb Raider war 1996 die erste weibliche Heldin in einem Computerspiel. Sie verkörperte das weibliche Alter Ego von Indiana Jones. Sie stellte eine martialische Sexbombe dar,  eine „Barbie in Pistolen“, wie Martin Boldt (einst Sexbombe, jetzt Studentin) heute in der Frankfurter Rundschau schreibt. Ein breites männliches Publikum sollte angesprochen werden. Das seit vergangener Woche erhältliche Spiel kommt einem Genrewechsel gleich, vom Action-Adventure-Spiel zum action-betonten Survival-Thriller. Vor allem überrascht das neue Frauenbild, mit dem sich offensichtlich auch junge Spielerinnen identifizieren können. Die unnahbare Amazone wird durch eine introvertierte 21-Jährige ersetzt, die versucht mit ihren Taten zurecht zu kommen. Gezeigt werden ihre Emotionen, die Schmerzen, die sie erleidet, erkennbar ist eine neue Verletzlichkeit. Unverwundbare Superkäpfer(innen) entsprechen offensichtlich nicht mehr dem Zeitgeist. Angelehnt wird sich bei der charakterlichen Konstruktion der Frauenfigur an weibliche Darstellerinnen in Horrorfilmen, die dank ihrer Integrität in der Lage sind, den Fängen des Bösen zu entgehen. Das Spiel vermittelt den Eindruck, eine Schauspielerin und nicht eine programmierte Figur zu steuern. Die frühere Trennung zwischem aktiven Spiel und passivem Zuschauen wird durch einen cineastischen Stil aufgelöst. Die Möglichkeit der Individualisierung der Hauptfigur kommt dem Bedürfnis entgegen als Spieler(in) aktiv am Entwicklungsprozess der Heldin teilzunehmen. Dies führt zu einer engeren Bindung mit der Heldin. Offensichtlich reagiert die Computerspielindustrie auf die Beobachtung, dass der Anteil von Frauen, die sich für Computerspiele interessieren, gestiegen ist. Zugeleich könnte es auch ein Indiz sein, dass sich Computerspiele, das einstige Nerdhobby, zu einem Kulturgut bei den jüngeren Generationen gemausert hat. An diesem Beispiel lässt sich zudem aufzeigen, dass Medien immer eine Doppelfunktion haben. Einerseits tragen sie zur Affirmation bei (Verstetigung vorhandener gesellschaftliche Werte, z.B. Frauenbild) andererseit tragen sie auch zur Transformation bei (Wandel der gesellschaftlichen Werte).

Quelle: http://www.fr-online.de/digital/neues–tomb-raider–erzaehlt-lara-crofts-erstes-abenteuer,1472406,22009494.html

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