Abschluss der Themenwoche 19 – Schwarmintelligenz

Veröffentlicht am von Moderation Onlinekurs

Zum Abschluss der Themenwoche möchten wir uns auf das Forschungsobjekt Wikipedia konzentrieren. Karl-Heinz Wellmann, hr2-kultur, hat dazu Informationen und ein weiteres Audio zusammengestellt.

Ab morgen beginnen wir mit dem 20. Thema „Das Netz macht erfinderisch! Digitale Geschäftsmodelle“. Die Moderation übernimmt dann Alf Mentzer, hr2-kultur, wir wünschen ihnen schon jetzt viel Spaß beim Hören.

„Wikipedia ist etwas Einmaliges für die Sozialforschung…“

… sagt beispielsweise Dr. Christian Stegbauer vom Institut für Gesellschafts- und Politikforschung der Frankfurter Goethe-Universität. Die Wikipedia-Datenbank sei eine extrem transparente Organisation – fast alles, was dort geschrieben und getan wird, wird dokumentiert und ist frei zugänglich. Daher habe man als Forscher ganz neue Möglichkeiten, zum Beispiel Konflikte zu untersuchen, deren Verlauf im Alltagsleben flüchtig ist. In der Wikipedia aber sei aller Streit, der ausgetragen wird, in ihr erhalten und lasse sich auch nach Jahren noch im Detail nachvollziehen.

Und der Medienforscher Dr. Thomas Roessing vom Institut für Publizistik der Universität Mainz hat analysiert, wie sich die Zugangsbedingungen zur Wikipedia im Laufe der Jahre verschlechtert haben: Mehr als 1,5 Millionen Artikel existieren bereits allein in der deutschsprachigen Version, daher gebe es immer weniger Möglichkeiten, neue Artikel anzulegen. In Wikipedia habe aber traditionell gerade jener Autor einen besonders guten Ruf, der besonders viele Artikel angelegt hat. Wörtlich sagt Thomas Roessing: „Wenn man nicht grade Experte für afrikanische Geografie oder für sehr ungewöhnliche Tiere und Pflanzen ist, dann kann man eigentlich nichts mehr mit seinem eigenen Wissen beisteuern. Dadurch sind die Autoren, die mitmachen wollen, gezwungen, sich an vorhandenen Artikeln zu versuchen, dort Korrekturen oder Ergänzungen vorzunehmen. Dort gibt es aber oft schon eine Autorenschaft, die sich untereinander geeinigt hat, wie der Artikel aussehen soll. Wenn dort jetzt ein Neuer dazu kommt, dann muss der erst mal unter Beweis stellen, dass er auch kein Vandale ist, dass er dem Artikel nichts Böses will, dass er sich einfügen kann. Es ist also viel schwieriger als früher, in Wikipedia aktiv zu werden und seinen eigenen Beitrag dazu zu leisten.“

hr2 Wissenswert„Wie Wikipedia unser Sozialverhalten sichtbar macht“

13:55 min (31.01.2013, hr2-kultur, Download der Sendung)

Auf wissen.hr-online erhalten sie auch das Manuskript der Sendung.

 

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Eine Antwort auf Abschluss der Themenwoche 19 – Schwarmintelligenz

  1. Karl-Heinz Wellmann sagt:

    Unter http://wikipedia-irc.herokuapp.com/ kann man nachvollziehen, welche Artikel in Wikipedia gerade bearbeitet werden. Dieser „Wikipedia Live Monitor“ bewertet zugleich das Editierverhalten, indem es jene Artikel filtert, die kurz hintereinander mehrfach bearbeitet werden. Diese „Ballungen“ von Artikelbearbeitungen werden verglichen mit Aktivitäten in sozialen Netzwerken geben Hinweis auf „breaking news“, d. h. auf relevante aktuelle Geschehnisse. Am 19. April wurde beispielsweise korrekt erkannt, dass es eine neue Entwicklung nach dem Anschlag auf den Boston-Marathon gab (die Fahnung nach den Tätern).

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