Archiv des Autors: Wilke H. Riesenbeck


Social Learning hinter Schloss und Riegel?

Veröffentlicht am von Wilke H. Riesenbeck

Indem Menschen via Social Media Inhalte teilen, schaffen sie die Grundlage für Social Learning. Doch den wenigsten ist bewusst, dass sie mit dem Teilen geschützter Inhalte gegen des deutsche Urheberrecht verstoßen. Ist es also nur eine Frage der Zeit, bis die Rechteinhaber dem Social Learning den Riegel vorschieben?

Nicht jeder hat Spaß am Teilen
Dass die Frage nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt die aktuelle Klage einer Fotografin gegen einen gewerblichen Facebook-Nutzer. Letzterer hatte in dem sozialen Netzwerk einen Link geteilt, der auch ein Bild der Fotografin enthielt. Da Facebook das Bild automatisch als Vorschau in den Post einbettete, verbreitete der Nutzer damit nach Ansicht der Klägerin ein geschütztes Werk in der Öffentlichkeit. Zwar steht es freilich noch aus, ob das Gericht der Klage auch Recht gibt, doch sahen Juristen die Facebook-Vorschau schon früher als problematisch an. Sie empfehlen daher ganz auf diese zu verzichten, um auf Nummer Sicher zu gehen. Viele mögen argumentieren, dass eine Vorschau mit dem eigentlichen Werk nicht identisch sei und eventuell sehen das auch die Richter so. Doch da das Internet bei der Schaffung unseres heutigen Urheberrechts noch nicht einmal in Sichtweite war, fällt es mitunter schwer hieraus eindeutige Regeln für Social Media abzuleiten. Da entscheidet im Zweifel jedes Gericht anders. Und selbst wenn der Justiztenor Vorschaubilder absegnen würde, gelte dieser Freibrief dann auch für Vorschauvideos, die in voller länge bei Facebook angesehen werden können? Rechtssicherheit sieht anders aus. Doch den meisten Nutzern ist diese Problematik wohl ohnehin fremd. Denn nicht wenige Menschen leben in dem Irrglauben, dass sie alles, was sie im Internet finden, auch frei verwenden können. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass die Sharing-Funktionen der Social Media Dienste regelrecht zum Urheberrechtsbruch einladen. Dienste wie Storify oder Learnist, die übrigens großartige Werkzeuge für das Social Learning sind, beruhen sogar fast ausschließlich auf dem Prinzip, fremden Inhalt in einem eigenen Format neu aufzubereiten. Überhaupt ist das Teilen solcher Inhalte eine zentrale Komponente des gemeinsamen Lernens im Netz: Ich finde einen Inhalt, teile ihn mit meiner Community und diskutiere darüber. Nun ließe sich spekulieren, dass eventuelle Gerichtsentscheidungen zugunsten der Rechteinhaber bald Schule machen und somit das Social Learning zumindest in Deutschland deutlich erschweren.

Creative Commons bringen keine Heilung
Aus einem anderen Blickwinkel sieht die Zukunft des Social Learning jedoch weit weniger düster aus. Denn nicht jeder Rechteinhaber wehrt sich so vehement gegen die Verbreitung seiner Inhalte wie die oben beschriebene Fotografin. Ganz im Gegenteil: Weil viele um das konstruktive Potential des Teilens wissen, geben sie ihre Inhalte explizit zur Weitergabe frei. Eine Möglichkeit dies zu tun sind die Creative Commons Lizenzen, kurz CC. Die gemeinnützige Organisation Creative Commons bietet jedermann sechs (inkl. CC0 sogar sieben) leicht verständliche Lizenzen, anhand derer Urheber festlegen können, unter welchen Bedingungen ihr Inhalt geteilt werden darf. Diese lassen sich leicht über das Internet beziehen und als Icon in die eigene Website einbinden. An die Stelle des “all rights reserved” tritt ein “some rights reserved”. Um dabei der international unterschiedlichen Rechtslage gerecht zu werden, berücksichtigen die CC-Lizenzen auch die nationalen Besonderheiten, wie zum Beispiel jene des deutschen Urheberrechts. Doch genau hierin sehen Kritiker auch ein Problem. So bemängelt etwa Michael Seemann im Interview mit dRadio Wissen, dass CC-Lizenzen vor diesem Hintergrund keine Alternative zum seiner Meinung nach überflüssigen Urheberrecht bieten, sondern dessen Geltungsanspruch sogar noch zementieren. Weiter kritisiert er, dass CC in ihrem zehnjährigen Bestehen nie im Mainstream angekommen seien, d. h. das viel zu wenige Menschen die Lizenzen kennen und noch weniger sie anwenden. Eine ähnliche Bilanz muss wohl auch den OER, den Open Educational Resources, attestiert werden. Absolute Zahlen mögen hoch klingen, sind jedoch schnell relativiert. Freie Lizenzen können das Problem der Rechtsunsicherheit also bestenfalls mildern, aber keinesfalls lösen.

Vielleicht ändern wir die Default-Einstellung
Für Falk Lüke, Befürworter der CC-Lizenzen und ebenfalls Gast in oben genannter Sendung, liegt ein Teil des Problems im “Default” des Urheberrechts, also der Tatsache, dass jedes Werk automatisch als geschützt gilt, sofern nichts Anderes vermerkt wurde. Theoretisch könnte es sich genau anders herum verhalten: Solange der Rechteinhaber die Nutzung nicht explizit einschränkt, ist sein Inhalt frei nutzbar. Der Vorteil läge darin, dass so die vielen Menschen, für die das Teilen ihrer Inhalte selbstverständlich ist, diese nicht unwissentlich gegen jederlei Nutzung schützen würden. In diesem Kontext ist die Klage einer Malerin interessant, die sich vor dem BGH dagegen wehrte, dass Vorschaubilder ihrer Werke in der Google Bildersuche zu finden Waren. Das Gericht entschied zu Gunsten von Google, da die Klägerin durch das grundsätzliche Veröffentlichen ihrer Werke im Internet die Verwertung durch Suchmaschinen in Kauf genommen habe. Sie hätte dies z. B. mit einem einfach Zusatz im Quellcode ihrer Website (robots.txt) verhindern können. Damit entspricht das Urteil zwar der Logik der umgekehrten Default-Einstellung, jedoch nur im Bezug auf Suchmaschinen. Über die Frage, ob das Urteil auch auf das von natürlichen Personen betriebene Teilen bei Social Media Diensten wie Facebook anwendbar sei, kann zur Zeit nur spekuliert werden. Doch könnten Gesetzgeber und Justiz wirklich von den Rechteinhabern verlangen, dass sie sich mit den technischen Hintergründen sämtlicher Internetdienste beschäftigen, um ihr Werk zu schützen? Wohl kaum – es sei denn, es gebe einen einheitlichen Standardschutz. Somit brächte auch eine Umkehr der Default-Einstellung der Urheberrechtes keine zufrieden stellende Lösung für das Teilen im Social Web.

Lernende brauchen Rechtssicherheit
Letztlich läuft alles darauf hinaus, dass sich die Nutzer beim Social Learning oft in einer rechtlichen Grauzone bewegen. So ist auch noch nicht abschließend geklärt, ob das Vorhandensein eines Social Plug-ins als belastbare Einwilligung des Rechteinhabers zum Teilen seines Inhaltes verstanden werden kann – und wenn ja, unter welchen Bedingungen. Eine Klagewelle gegen Privatpersonen scheint dennoch nicht in Sicht. Denn schließlich geht das Teilen weit über Landes- und damit Rechtsgrenzen hinaus, bleiben die meisten Rechtsverletzungen in den Weiten des Internets unbemerkt und sind sich viele Rechteinhaber ihrer Rechte gar nicht bewusst oder haben kein Interesse daran diese durchzusetzen. Also alles halb so wild? Nein, denn nicht nur können auch einzelne Abmahnungen eine Signalwirkung haben, sondern hemmt die Rechtsunsicherheit auch das Social Learning im Unternehmen. Wer seine (internen) Social Media dazu nutzen will, Wissen von außerhalb ins Unternehmen zu holen, braucht dafür ebenso praktikable wie gesicherte Rahmenbedingungen. Aufklärung und Medienkompetenz helfen Fehler zu vermeiden, ändern aber nichts daran, dass das Teilen oft schlicht nicht erlaubt ist. Wünschenswert wäre eine differenzierte Rechtsgrundlage, die verlinkte Vorschaubilder nicht mit unerlaubten Kopien gleichsetzt und zwischen dem Teilen zur bloßen Unterhaltung und dem Teilen zur Verbreitung von Wissen unterscheidet.

Bilder: petekarici (istockphoto).


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Die Lernenden, die unbekannten Wesen

Veröffentlicht am von Wilke H. Riesenbeck

Sie sind allgegenwärtig: Wenn der Autor das Konzept schreibt, der Grafiker den Screen gestaltet oder der Entwickler die Anwendung programmiert – die Lernenden. In jeder Phase eines E-Learning Projektes versuchen Produzenten zu erahnen, wer die Lernenden sind und was sie wollen. Aber wie gut können sie Menschen verstehen, denen sie nie begegnen?

Der direkte Kontakt ist nicht mittelbar
Als Bindeglied zwischen den Produzenten und den Lernenden steht der Kunde, zumeist in der Gestalt eines Fachexperten. Ihn kann der Produzent über die Lernenden ausfragen, über ihre Berufe, ihr Vorwissen, ihre E-Learning Erfahrung. Hierzu finden sich im Netz zahlreiche Fragenkataloge. Doch so ergiebig so eine Befragung auch sein mag, so macht sie den Produzenten doch immer nur mittelbar mit den Lernenden bekannt. Er erfährt nicht, was der Lernende will, sondern was der Fachexperte denkt, dass er will – oder wollen sollte. Es mag Projekte geben, bei denen die Rahmenbedingungen eine ausführlichere Auseinandersetzung mit den Lernenden nicht hergeben. Jenseits solcher Projekte kann der Produzent jedoch versuchen einen direkten Kontakt zu den Lernenden herzustellen. Am einfachsten wäre es, sich im Anschluss an den Kick-off Termin beim Kunden, mit einem kleinen Kreis der Zielgruppe zusammen zu setzen. In ungezwungener Runde könnte der Produzent so von den Lernenden selbst hören, welche Erwartungen sie an die E-Learning Anwendung haben. Alternativ könnte der Produzent dem Kunden schon vor dem Termin einen Fragebogen zuschicken, den der Kunde unter einigen Probanden verteilt und dessen Ergebnisse er anschließend im Termin mit dem Produzenten bespricht.

Mehr Lernerfreundlichkeit durch kontinuierliches Testen
Ob nun Gesprächsrunde oder Fragebogen, beiden ist eine Schwierigkeit gemeinsam: Der Produzent kennt viele Fragen, die sich ihm Laufe des Projektes stellen werden noch gar nicht. Denn auch beim E-Learning steckt der Teufel im Detail. Nur zu gerne würde sich der Produzent hin und wieder einen Lernenden hinzu holen und ihn fragen: „Sag mal, verstehst du das? Willst du das so haben?” Natürlich ist das kein gangbarer Weg, aber es besteht die Möglichkeit die Anwendung in einem Entwurfsstadium an den Lernenden zu testen. Solche Tests sind im Bereich des Usability Engineering bereits üblich. Mit Hilfe standardisierter Verfahren wird hier die Benutzerfreundlichkeit zum Beispiel einer Website untersucht und das häufig auch unter Einbezug der Nutzergruppe. Im Idealfall werden im Verlauf der Entwicklung mehrere solcher Test durchgeführt. Gemäß einer formativen Evaluation werden die Nutzer gebeten den aktuellen Stand der Anwendung durchzuspielen, um die Ergebnisse in die weitere Entwicklung mit einzubeziehen. Solche Test ließen sich auch mit E-Learning Anwendungen umsetzen, allerdings müsste dann eben nicht nur die Benutzerfreundlichkeit evaluiert, sondern auch die Lernerfreundlichkeit überprüft werden. Der indische E-Learning Anbieter KERN hat hierzu einen Ansatz veröffentlicht und dafür den etwas unglücklichen Namen des Learnability-Testing gewählt. Unglücklich deshalb, weil Learnability auch ein Ausdruck der ISO-Norm für Usability ist, dort aber nicht die Erlernbarkeit des Inhaltes, sondern der Anwendung bezeichnet. Dennoch zeigt der Ansatz sehr schön, dass eine Evaluation der Lernerfreundlichkeit zwar mit den gleichen Verfahren wie ein Test der Usability erfolgen kann, inhaltlich aber weit mehr abfragen muss. Hier stellt sich einmal mehr die Gretchenfrage der Weiterbildung, wie der Lernerfolg eindeutig bewertet werden kann. Zusätzlichen Aufschluss darüber, ob die Anwendung den Bedürfnissen der Lernenden entsprochen hat, gibt eine summative Evaluation des fertigen Produktes. Dabei ist zu beachten, dass die Lernenden ihren Lernerfolg erst nach dem versuchten Transfer in ihren Arbeitsalltag abschließend beurteilen können.

Keine faulen Ausreden!
Wenn diese Gespräche und Tests nun tatsächlich helfen können die Lernenden zu verstehen und somit die Lernerfreundlichkeit zu steigern, warum sind sie dann nicht Alltag in der E-Learning Entwicklung? Zu allererst wohl deswegen, weil sie zusätzlichen Aufwand bedeuten. Aufwand, der nicht notwendig ist, um ein alle Beteiligten zufriedenstellendes Produkt herzustellen. Die Lernenden sind hier natürlich nicht mit inbegriffen. Kunden und Produzenten argumentieren vielleicht auch, dass sie ja ausreichend Expertise bzw. Sachkenntnis hätten, um eine gute Anwendung zu entwickeln. Dass aber jede Fachkompetenz nur so gut ist wie die Datenlage, auf der sie aufsetzt, scheinen sie hier zu vergessen. Sicher ist eine ungetestete Anwendung nicht zwangsläufig eine schlechte Anwendung. Aber das Risiko, dass sie an den Bedürfnissen der Lernenden vorbei geht, ist deutlich größer als bei einem getesteten Kurs. Noch ein Grund mag sein, dass sich Kunden und Produzenten nicht die Blöße geben möchten vor einem vernichtenden Testergebnis zu stehen. Was, wenn die Lernenden die Anwendung rundherum ablehnen? Hat der Produzent schlechte Arbeit geleistet oder der Kunde den falschen Input geliefert? Ein weiteres Problem betrifft den richtigen Testzeitpunkt. Die Ergebnisse einer frühen Evaluation, etwa eines Prototypen, lassen sich noch leicht einarbeiten, beziehen sich aber, anders als die einer späte Evaluation, nicht auf alle Details der Anwendung. Zu guter Letzt steigern Befragungen und Tests die Fixkosten einer Produktion und machen E-Learning so für kleinere Weiterbildungsbedarfe weniger attraktiv.
Doch sollten Produzenten aufgrund dieser Widrigkeiten gar nicht erst versuchen die Lernenden zu verstehen? Natürlich nicht. Nur weil sich der Idealfall von Befragung, formativen und summativen Tests nicht realisieren lässt, bedeutet das nicht, dass gleich auf alle Ansätze verzichtet werden muss. Es lohnt sich auch über möglichst praktikable Umsetzungsformen nachzudenken. Der Kunde hat keine Zeit den Fragebogen auszuteilen und wieder einzusammeln? Der Produzent könnte doch einen Online-Fragebogen aufsetzen, was nicht nur die Auswertung erleichtert, sondern auch die Wiederverwendbarkeit erhöht. Einen Prototypen zu produzieren ist zu aufwändig? Eine Papierversion mit ausgedruckten Screenentwürfen, mit welcher der Produzent die Anwendung für den Lernenden simuliert, tut es auch. Die Lernenden zu verstehen ist keine Frage der Mittel, sondern eine Frage des Wollens.

Bild: tumpikuja (istockphoto)


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opco12: Alles mobile, oder was?

Veröffentlicht am von Wilke H. Riesenbeck

“Schaffen wir es Anwendungssituationen mehrwertig zu unterstützen?” ist laut Christoph Igels Vortrag beim gestrigen opco12 Online Event die Gretchenfrage des Mobile Learning. Gesucht werden keine Content-Transporte vom großen auf das kleine Display, sondern Lernszenarien in denen die Mobilität von Smartphone und Tablet auch tatsächlich zur Geltung kommt. In den Beiträgen der opco12 Community lassen sich nach meinem Beobachten drei solcher Szenarien für Mobile Apps erkennen.

Service Apps
Ob nun die von Herrn Igel vorgestellte App Learn & Go, das im Horizon Report erwähnte iPrinceton oder das vom opco12 verlinkte RUB mobile – sie alle unterstützen den Studienalltag indem sie verschiedene universitäre Services mobil verfügbar machen. Vom Campus-Plan bis zum OPAC-Zugang werden Informationen, die sonst weit über das Uni-Netz verteilt sind, in die Handflächen der Studierenden gebracht. So manchem Studienanfänger mag so der ein oder andere Irrweg durch die Universitätsflure erspart geblieben sein. Unterstützt wird hier jedoch weniger das Lernen selbst als vielmehr die Lerninfrastruktur. Das Drumherum des Lernens wird einfacher, während der Prozess des Lernens völlig unberührt bleibt. Solche Service-Apps könnten sich auch bei nicht-universitären Bildungsanbietern bewährt machen. Etwa wenn Programme, Seminarangebote, Trainerprofile, Termine und Kursmaterialien zu einem handlichen Paket geschnürt und zum Gratis-Download angeboten würden. Ein Schelm, wer hier auch einen Marketing-Kanal wittert.

Nice-to-have Apps
Etwas irritiert hat mich die Begeisterung mit der an verschiedenen Stellen für Lernkartei-Apps geschwärmt wurde. Praktisch mag so eine digitale Sammlung von Drill & Practice Kärtchen wie sie etwa die Fernuniversität Hagen anbietet ja sein, aber ein funktionaler Mehrwert gegenüber der Papierversion besteht nicht. Ähnliches gilt für Umfrage-Apps mit denen Lehrende im Hörsaal um die Meinung ihrer Studierenden bitten oder sie eine Frage beantworten lassen können. Mag sein, dass es Menschen gibt, die hier eine nennenswerte Verbesserung gegenüber dem schlichten Handzeichen erkennen – ich selbst gehöre jedoch nicht dazu. Vielmehr sehe ich hier lediglich Nice-to-haves und keine Must-Haves. Claudia Bremer unterscheidet die genannten App-Typen in ihrer Systematik übrigens in Apps für Selbstlernphasen und Apps für die Lehrveranstaltung. Eine Trennung, die sicher logisch, aber aus meiner Sicht nicht unbedingt notwendig ist, da beide Methoden gleichermaßen innovationsarm sind. Nice to have wären solche Apps sicher auch für Kunden kommerzieller Bildungsanbieter. So ließe sich eine App anbieten auf welcher die Lernenden z. B. die Glossare und Testfragen von WBTs laden und in Form von Karteikarten und Quizfragen einstudieren könnten.

Situierte Apps
Der Tenor der opco12 Community scheint jedoch zu sein, dass Mobile Apps ihr Potential erst dort entfalten, wo der Ort oder das Objekt des Lernens eine Rolle spielen. Wenn Lernende einen Ort oder ein Objekt mit ihrem Smartphone erkunden, dokumentieren und teilen können, entsteht tatsächlich ein echter Mehrwert. Dennoch ist es wichtig zu erkennen, dass auch dieses Szenario das didaktische Rad nicht neu erfindet, sondern lediglich eine Erweiterung alt bekannter und bereits ausführlich diskutierter Lernformen ist. Anschlussfähig sind natürlich Ansätze des situierten Lernens, wobei hier zu beachten ist, dass Situiertheit nicht erst am realen Handlungsort entsteht. Situiertes Lernen ist auch dann schon gegeben, wenn der Lerninhalt in einen zwar fiktiven aber dennoch konkreten Handlungskontext eingebettet wird. Wirklich spannend wird dieses Szenario des Mobile Learnings für mich jedoch erst durch den Einsatz von Augmented Reality, weil sie es erlaubt einen Inhalt direkt auf einem realen Objekt “abzulegen”. Das US-Militär macht bereits vor, wie zum Beispiel KfZ-Mechnaiker mit Augmented Reality lernen und arbeiten können. Jetzt könnte ich auch noch Google Glass ins Spiel bringen, aber dann wird die Zukunftsmusik doch etwas zu laut.

Um die Gretchenfrage des Mobile Learning wirklich vollständig zu beantworten, muss jedoch noch ein letzter Punkt beachtet werden. Nur weil etliche Smartphones im Umlauf sind und der App Store sämtliche Rekorde bricht, bedeutet das nicht, dass Mobile Learning immer und für jeden sinnvoll ist. In einem früheren Beitrag habe ich bereits beschrieben, dass mobiles Lernen erst dann einen wirklichen Mehrwert bietet, wenn die Lernenden tatsächlich einen Bedarf an Mobilität haben und der Inhalt überhaupt mobil erlernbar ist. Für alle Didaktiker bedeutet dies Mobile Apps in ihren Methodenpool aufzunehmen und nur bei wirklichem Bedarf auch tatsächlich anzuwenden.

Bild: mbortolino (istockphoto); opco12


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opco12: Ein lupenreiner Report?

Veröffentlicht am von Wilke H. Riesenbeck

Mit dem opco12 startete diese Woche ein offener Online-Kurs zu den Zukunftstrends des digitalen Lehrens und Lernens, wie sie vom Horizon Report 2012 prognostiziert werden. Ich selbst habe mir vorgenommen hier die Online Badge eines opco12 Kommentators zu verdienen, mich also mit eigenen Beiträgen an der virtuellen Diskussion zu beteiligen. Doch bevor die eigentlichen Trends unter die Lupe genommen werden, gibt die Einführungswoche Anlass einen kritischen Blick auf den Report selbst zu werfen.

Es ist schon so manche Sau durch das E-Learning Dorf getrieben worden, ohne je wieder gesehen worden zu sein. Trends des digitalen Lernens sind oft schon verschwunden, bevor sie der Praxis überhaupt nahe gekommen sind. Daher wundert es mich schon, dass sich der opco12 voll und ganz den Trendprognosen des Horizon Reports verschrieben hat. Schon allein der waghalsige Prognosezeitraum von sechs Jahren ist Grund genug zur Kritik am Report. Nicht ohne Grund wagt das MMB-Institut mit seinem jährlichen Learning Delphi nur einen dreijährigen Ausblick. Und selbst hier gesteht Lutz Goertz in dem Eröffnungspodium des opco12 ein, dass viele Trends genau so schnell von der Bildfläche verschwinden, wie sie auf ihr erschienen sind. Oder haben Sie jemals ernsthaft mit Podcasts gelernt? Da wundert es auch nicht, dass Dörte Giebel in ihrer Analyse der vergangenen Reporte aufzeigt, dass sich so manche Prognose als Rohrkrepierer entpuppte. Rechne ich nun noch die vielen grundsätzlich Defizite der Trendforschung hinzu, wie sie Sandra Schön und Mark Markus in ihrem L3T-Beitrag beschreiben, frage ich mich ernsthaft, ob ich auf den Inhalt des Horizont Report überhaupt noch etwas geben soll. Ich wünsche mir viel mehr eine Debatte, deren Teilnehmer nicht jedem neuen Buzzword hinterher hecheln, sondern konsequent Neues in Bekanntes einordnen und so das E-Learning auf Basis jahrzehntelanger Forschung und Praxis kontinuierlich weiterentwickeln. In diesem Sinne hoffe ich, dass ein konstruktiver Austausch mit der opco12 Community mein Missfallen am Report wieder wettmachen wird.

Bild: opco12

 


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opco12: Ein lupenreiner Report?

Veröffentlicht am von Wilke H. Riesenbeck

Mit dem opco12 startete diese Woche ein offener Online-Kurs zu den Zukunftstrends des digitalen Lehrens und Lernens, wie sie vom Horizon Report 2012 prognostiziert werden. Ich selbst habe mir vorgenommen hier die Online Badge eines opco12 Kommentators zu verdienen, mich also mit eigenen Beiträgen an der virtuellen Diskussion zu beteiligen. Doch bevor die eigentlichen Trends unter die Lupe genommen werden, gibt die Einführungswoche Anlass einen kritischen Blick auf den Report selbst zu werfen.

Es ist schon so manche Sau durch das E-Learning Dorf getrieben worden, ohne je wieder gesehen worden zu sein. Trends des digitalen Lernens sind oft schon verschwunden, bevor sie der Praxis überhaupt nahe gekommen sind. Daher wundert es mich schon, dass sich der opco12 voll und ganz den Trendprognosen des Horizon Reports verschrieben hat. Schon allein der waghalsige Prognosezeitraum von sechs Jahren ist Grund genug zur Kritik am Report. Nicht ohne Grund wagt das MMB-Institut mit seinem jährlichen Learning Delphi nur einen dreijährigen Ausblick. Und selbst hier gesteht Lutz Goertz in dem Eröffnungspodium des opco12 ein, dass viele Trends genau so schnell von der Bildfläche verschwinden, wie sie auf ihr erschienen sind. Oder haben Sie jemals ernsthaft mit Podcasts gelernt? Da wundert es auch nicht, dass Dörte Giebel in ihrer Analyse der vergangenen Reporte aufzeigt, dass sich so manche Prognose als Rohrkrepierer entpuppte. Rechne ich nun noch die vielen grundsätzlich Defizite der Trendforschung hinzu, wie sie Sandra Schön und Mark Markus in ihrem L3T-Beitrag beschreiben, frage ich mich ernsthaft, ob ich auf den Inhalt des Horizont Report überhaupt noch etwas geben soll. Ich wünsche mir viel mehr eine Debatte, deren Teilnehmer nicht jedem neuen Buzzword hinterher hecheln, sondern konsequent Neues in Bekanntes einordnen und so das E-Learning auf Basis jahrzehntelanger Forschung und Praxis kontinuierlich weiterentwickeln. In diesem Sinne hoffe ich, dass ein konstruktiver Austausch mit der opco12 Community mein Missfallen am Report wieder wettmachen wird.

Bild: opco12

 


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