07 – Kindergarten 2.0

Kindergarten 2.0? Medienerziehung für die Jüngsten

Autorin: Karen Fuhrmann / Sendedatum: 15. Dezember 2012, 11:30 Uhr

Wann beginnt die Medienkindheit? Sind bereits Kindergartenkinder reif für eine Computerecke? Sollten PC und Internet, aber auch Mikrofon, Mischpult, Foto- und Filmtechnik beim Lernen von Anfang an dabei sein? Kaum eine Frage, über die sich Pädagogen heute erbitterter streiten.

Für die einen ist eine umfassende Medienerziehung so früh wie möglich sinnvoll und ein Gebot der Chancengleichheit. Die anderen warnen entschieden vor Risiken und Nebenwirkungen, wenn jetzt schon die Vorschulkinder auf Bildschirmmedien losgelassen werden sollen. Der Hirnforscher Manfred Spitzer etwa formuliert es so: „Wir lassen 6-Jährige nicht Autofahren, wir lassen sie nicht Alkohol trinken, wir sollten sie auch nicht mit Medien umgehen lassen, weil es ihnen nicht gut tut.“ Die Argumentationslinien der hitzigen Debatte zeichnet Karen Fuhrmann nach in ihrem Funkkolleg „Kindergarten 2.0? Medienerziehung für die Jüngsten“.

Sendung zum Thema 07

24:57 min (Funkkolleg Medien Folge 07, 11,9 MB)


 

Zusatzmaterial zum Thema 07

Hier finden Sie ergänzende Texte und Zusatzmaterialien (Links und Videos) zur siebten Sendung und Themenwoche.

-> Zusatzmaterial zur siebten Sendung und Themenwoche

 

 

 

 

7 Antworten auf 07 – Kindergarten 2.0

  1. Neugierig sagt:

    Spannend, diese Kontroverse und sicher kann diese Diskussion Initialzündung für eine intensivere Diskussion darüber werden, was Kinder lernen sollen. Das Beispiel des Projekts Singen allerdings scheint mir dazu doch wenig geeignet. Hier möchte ich mich Singers Kritik anschliessen – wozu soll ich einen Apfel googeln, wenn ich ihn vor mir sehe oder vorher gemalt habe? Hier schiesst die Medienerziehung in die falsche Richtung. Aber ich finde es schon faszinierend, dass Kinder bereits in diesem Alter mit Kamera, Mikroskop, Stethoskop, Fernrohr ihre Umgebung, ihre Welt erkunden. Ob sie tatsächlich schon blue screen, Schnitttechnik etc. kennen lernen sollen – das denke ich, kann nur für jedes Kind/jede Kindergruppe entschieden werden. Würde für Kinder als Lernort einen Waldkindergarten vorziehen vor einem Kindergarten-TV-Studio, aber warum nicht einen Fernsehstudiobesuch organisieren(z.B. bei einem der Offenen Kanälen – wie z.B. Frankfurt/Offenbach – ebenso wie ) – ebenso wie einen (aktiven medienpädagogisch begleiteten) Museumsbesuch? Es kommt wohl – wie immer im Leben – auf das Maß an – Kinder sollen/erleben die Welt – und dazu gehören auch die modernen Medien. Sie den kids kindgerecht erfahrbar zu machen, halte ich für eine wichtige Aufgabe der Pädagogik.

  2. Sabine sagt:

    Den neuen Medien können wir uns nicht verschliessen. Soll dies aber schon im Kindergarten als fester Bestandteil statt finden? Eine gesunde Mischung von Erlebnissen in der realen Welt vs. Erlebnisse in der virtuellen Welt sollte das Ziel sein. Das Beispiel des Films könnte sehr gut als Beispiel genutzt werden; Szenen werden draussen im Wald, im Park etc. gedreht und dann am Computer vertont.
    Für meinen Sohn wünsche ich mir im Kindergartenalter vor allem Erlebnisse in der Natur (Waldkindergarten), der Einsatz der digitalen Medien kann warten bis zur Schule.

  3. s.wuerz sagt:

    Herr Spitzer hat sicherlich damit recht, dass ein uneingeschränkter Medienkonsum, sei es in Form von Fernsehen oder Computerspielen (auch wenn „pädagogisch wertvoll“), Kindern schadet und sie in ihrer Entwicklung behindert. Werden Medien aber im Sinne von „Empowerment“ genutzt, d. h. es gelingt, dass Kinder lernen, wie sie digitale Medien aktiv zur Erkundung der Welt nutzen können, um ihren Erfahrungen Ausdruck zu verleihen und mit anderen zu teilen, dann werden Kinder sicherlich in ihrer Entwicklung gefördert. Digitale Medien sind dabei immer Instrumente und nie Selbstzweck.
    Digitale Medien aktiv zu nutzen muss gelernt werden. Insbesondere Kinder brauchen dabei eine intensive Begleitung. Dafür aber wiederum braucht es gute Konzepte und gut geschultes Bildungspersonal. Und wer digitale Medien aktiv nutzt, braucht sich auch nicht vor digitaler Demenz zu fürchten, denn dieser Mensch wird sehr viel mehr nachdenken und schreiben und mit anderen kommunizieren als er oder sie es jemals ohne digitale Medien getan hätte. Und Kinder dazu zu befähigen, kann durchaus schon im Kindergarten beginnen, eben um sie zu stärken gegen die „demente“ Nutzung von digitalen Medien.

  4. Ralph Schloter sagt:

    Der Erziehungswissenschaftler Norbert Neuss hat recht; es kommt schließlich auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen „Realität“ und „Digitalen Medien“ an. Pädagogisch begleitet werden muss beides. Man sollte Kinder mit Internet ebenso wenig alleine lassen wie mit dem Fernsehen. Sie müssen den Umgang damit lernen, genauso wie z.B. das Verhalten im Strassenverkehr. Manfred Spitzer mag ein Experte sein auf dem Gebiet der Hirnforschung, bei einer Diskussion in der Sendung ZDF Login hat er durch seine Äußerungen gezeigt, dass er sich in den Themen Internet & Digitale Medien wenig auskennt: http://www.spreeblick.com/2012/08/30/zdf-log-in-manfred-spitzer-jimmy-schulz-und-icke/

  5. Martin O. sagt:

    Wenn der Erziehungswissenschaftler Norbert Neuss meint, dass es keinen wesentlichen Unterschied macht, ob ein Kind in einem E-Book oder in einem gedruckten Buch liest, übersieht er offenbar, dass das Lieblingsbuch aller Kindergartenkinder, nämlich „Die kleine Raupe Nimmersatt“, gar nicht als E-Book funktionieren kann. :-)

    Aber Spaß beiseite – es gibt einen, wie ich finde, aus pädagogischer Sicht gravierenden Unterschied zwischen digitalen und analogen Medien, der in der Sendung allenfalls indirekt angesprochen wurde: In einer von digitalen Medien geprägten Welt wird die Kluft zwischen dem, was ein Kind einerseits konsumiert, und dem was es andererseits selber machen kann, fast unüberbrückbar. Kann ein junger Bücherwurm sich prinzipiell ein leeres Schulheft zur Hand nehmen, um sich selbst als Autor oder Illustrator zu versuchen, müssen Computerspiele, Lernprogramme, ja selbst E-Books für fast alle Kinder zwangsläufig „schwarze Kisten“ bleiben, in deren auf Algorithmen beruhende Funktionsweise sie keinen Einblick erhalten. So kann ich mich leider des Eindrucks nicht erwehren, dass Kindheit heute durch vorgegebene Programmcodes in einem bisher nicht gekannten Maße fremdbestimmt wird. Daran vermag, fürchte ich, auch keine noch so schöne, den Medien ja auch nur wieder einprogrammierte Interaktivität etwas zu ändern.

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