08 – Leseverhalten

Aufmerksamkeit im Netz und die Folgen – Leseverhalten im digitalen Zeitalter

Autor: Mario Scalla  / Sendedatum: 22. Dezember 2012, 11:30 Uhr

Lesen gilt als elementare Kulturtechnik. Doch diese Verarbeitung von Buchstaben im Gehirn zur Ausbildung eines ästhetischen und sozialen Bewusstseins beginnt sich gerade zu verändern.

Die bisher intime Buchlektüre verlagert sich auf öffentliche Plätze, in U-Bahnen, Shopping-Center, auf die Straßen. Überall kann gelesen werden, auf mobilen Lesegeräten, Smartphones und Tabloid-PCs. Auch das Lesen selbst verändert sich: Die Konzentrationsfähigkeit auf längere, komplexe Texte, die nicht – wie im Internet – audiovisuell aufbereitet sind, schwindet. Zugleich soll sich die Lesegeschwindigkeit steigern. Auch die Art und Weise, wie das Auge Informationen wahrnimmt und verarbeitet, verändert sich derzeit dramatisch. Das lineare Lesen des Gutenberg-Zeitalters wird abgelöst durch mehrere mögliche Formen der Lektüre: Lineares und digitales Lesen konkurrieren jetzt miteinander. Mario Scalla untersucht, wie sich unser Aufmerksamkeitsregime beim Lesen am Bildschirm verändert und welche neuen Chancen ein „kollektives Lesen“ eröffnen kann.

Sendung zum Thema 08

27:38 min, (hr2-Funkkolleg Medien Folge 08, 12.7 MB)


 

Zusatzmaterial zum Thema 08

Hier finden Sie ergänzende Texte und Zusatzmaterialien (Links und Videos) zur achten Sendung und Themenwoche.

-> Zusatzmaterial zur achten Sendung und Themenwoche

 

2 Antworten auf 08 – Leseverhalten

  1. HL sagt:

    Bitte den Link zum mp3-Download hinterlegen. Danke!

  2. Neugierig sagt:

    Sorry – mit dieser Analyse bin ich gar nicht einverstanden. Schon mit dem Taschenbuch, dem preiswerten Buch liest man/frau schon seit langem in Straßenbahn, Zug, Flugzeug. Mit den Tageszeitungen wurde das lineare Lesen geändert, mit den Illustrierten das Bedürfnis nach Bebilderung größer.- Heute gehören farbige Bilder in jede Tageszeitung.
    Schnell-Lesen wird schon seit Jahrzehnten auch in Kursen angeboten, man sucht nach den key-words – die Füllsel werden weggelassen. Auch das ist nicht neu – hat sich vielleicht verstärkt mit der Fülle der angebotenen Informationen im Internet.
    Die Technik des Lesen-Könnens allein besagt aber noch nicht viel. In internationalen Studien ist das an Schulen untersucht worden – zwischen dem Lesen und dem Erfassen des Inhalts stehen viele weitere Schritte, die auch geübt werden können und müssen. Dabei erhält Deutschland im internationalen Vergleich leider nur einen mittleren Platz – beschämend für eine Gesellschaft, die sich als „Kulturnation“ begreift. Zwischen Lesen und „Verstehen“ oder „Begreifen“ besteht ein großer Unterschied. Zwischen dem Lesen von Papier und „Licht“ oder „Wellen“ – für mich persönlich auch. Geschriebenes auf Papier ist für mich nicht nur im materiellen Sinne begreifbarer: wenn ich wirklich etwas genau lesen möchte, drucke ich es mir aus – aber vielleicht ist das für die heutige Generation anders geworden.
    Zudem: das Leseverständnis ändert sich mit der persönlichen Erfahrung. Mit neuem Erlebtem/Erfahrungen ändern sich die Assoziationen zum Gelesenen – so dass Lesen auch in jedem Alter und jedem Kulturhintergrund zu anderen „Ergebnissen“ führt. Ich persönlich bin immer mehr entsetzt, wie wenig ich in der Schule verstanden habe – wie wenig davon ich behalten habe. Die alten Klassiker habe ich gelesen – aber nichts verstanden.
    P.S. Lesen ist eine Kulturtechnik, aber keine elementare. Auch in Deutschland gibt es mehrere Millionen Analphabeten – auch sie bestehen ihr Leben – wenn auch mit vielen zusätzlichen Schwierigkeiten. Lesen gehört zur Allgemeinbildung des Volkes erst seit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht – in Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts – vorher war es – wie ja beschrieben – den Reichen und Gebildeten vorbehalten. Mit den heutigen Medien – TV, Film, Radio … benötigt man nicht mehr unbedingt das geschriebene Wort. Andererseits wird man tatsächlich zum Vielleser, wenn man im Internet recherchiert und dort aus den vielen Alternativen die richtigen Infos heraussuchen will. Das Internet hat die Lesegewohnheiten verändert – ganz sicherlich. Die heutige Generation mit Zugang zum Internet liest wahrscheinlich mehr und schreibt mehr als die Generationen vor ihr. Daher ist es so wichtig, dass wir lernen zu filtern – das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen. Das gedruckte Wort gilt als verlässliche Informationsquelle, im Internet muss der/die userIn selbst sondieren und lernen, Informationen und ihre Quellen zu gewichten. Das verlangt ganz neue Fähigkeiten.

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