Zusatzmaterial zum Thema 15

Im digitalen Nirvana: Bildschirm-Faszination und Zeitmanagement

Hier finden Sie Zusatzmaterialien zur 15. Sendung.

Die Zusatzmaterialien sind:

1. Für interessierte Hörerinnen und Hörer als vertiefende Informationen zu den Themen der einzelnen Sendungen.

2. Für Multiplikatoren/Lehrkräfte. Sie finden bei jedem Zusatzmaterial einen Bezug zum Manuskript und der Zeitmarkierung (01:20 gelesen: Start der Sequenz bei 1 Minute 20 Sekunden), damit Sie direkt zum Thema im Beitrag gelangen können. Die Zugangsdaten für die Sendemanuskripte werden den Multiplikatoren per Mail mitgeteilt.

Die Materialien wurden zusammengetragen vom Seminar, Prof. Dr. Franz Josef Röll, Hochschule Darmstadt, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und soziale Arbeit.

Die Materialien wurden zum Zugriffszeitpunkt 25.02.2013 erstellt.

Alles Zusatzmaterialien für das 15. Thema können Sie hier als PDF herunterladen. pdflogo


 

 

Überblick

NirwanaBuchvorstellung: Das digitale Nirwana

ZeitZeit-PsychologieHerrschaft der ZeitDeutsche Gesellschaft für Zeitpolitik

BeschleunigungZukunftsszenarien

Buchvorstellung – The information diet

Apps für Zeitmanagement am Rechner

Slow Media Manifest

Glossar

Interviewte Personen


 

Nirwana

Bezug zum Manuskript/Audio: S. 2 / 01:03

Ins Nirwana zu gelangen, ist eines der Grundziele des Buddhismus. Der Begründer des Buddhismus lebte um 500 vor Christus in Indien. Sein Name war Gautama Siddhartha, den man später Buddha nannte. Er stammte aus einer wohlhabenden Familie, verlies diese jedoch mit 29 Jahren, um mit seinem privilegierten Leben zu brechen und Pilger zu werden, der in einer Welt der Nichtdauer nach dem Überdauernden suchte. Dabei habe er kein Extrem ausgelassen, um das Dauerhafte zu finden, heißt es in den heiligen Schriften des Buddhismus. Gautama unterwarf sich allen Extremen, um die menschliche Seele hinter der körperlichen Nichtdauer freizusetzen. Während einer Meditation erkannte er schließlich die Kausalität der Wiedergeburt der Wesen. Diese Erkenntnis sollte zu einem zentralen Element der buddhistischen Lehre werden.

Das erstrebenswerteste Ziel ist, sich aus dem Kreislauf des Leidens und der Wiedergeburt (Samsara – Reinkarnation) durch Erwachen zu befreien. Nirwana bedeutet „Erlöschen“ im Sinne von Ende mit allen falschen persönlichen Vorstellungen vom Dasein. Nirwana wird durch die Erleuchtung (Bodhi) erreicht und bewirkt einen Austritt aus dem Samsara (beständiges Wandern). Nirwana wird von den Buddhisten als das „höchste Glück“ bezeichnet, unabhängig und jenseits aller Gefühle, Bedingungen und Gestaltungen.

Durch stetige und intensive Betrachtung eines der drei Merkmale des Daseins (Unbeständigkeit, Leidhaftigkeit, Leerheit) durchläuft der Meditierende verschiedene Phasen der Erkenntnis. Die Beobachtung führt zu einer allmählichen Loslösung und gipfelt in der Erfahrung des Maggaphala (Moment der Furcht). Man sagt, dass dies als die eigentliche Erfahrung des Nirwanas gilt.

Quellen:

de.wikipedia.org/wiki/Nirwana

http://www.forum.lu/pdf/artikel/4709_212_Selchow.pdf

Buchvorstellung: Das digitale Nirwana

Bezug zum Manuskript/Audio: S. 13 / 17:44

Bildquelle: http://ecx.images-amazon.com/images/I/51B6DY5CTAL.jpg

Bernd Guggenberger analysiert in seinem Buch die Welt des Internets und seine magische Anziehungskraft auf den Menschen. Er blickt auf die Veränderungen und die Entwicklungen von Menschen. Veranschaulicht wird der Verlust vom Zusammenleben des Individuums und seiner natürlichen Umgebung. Immer mehr entfernen sich die User von der Wirklichkeit. Der K(l)ick am Morgen, den Rechner einzuschalten, ist normaler Alltag geworden und für viele eine unbewusste Sucht. Welche Fähigkeiten den Menschen durch die Konfrontation mit dem Netz verloren gehen, wird in dem Buch aufgezeigt. Die Wirklichkeit „verliert“ immer mehr Anhänger. Jeder sollte sich bewusst sein, dass durch das Internet, zum Beispiel durch Facebook, Twitter usw., ein neuer Kreislauf der Persönlichkeitsentwicklung hervorgerufen wird. Bernd Guggenberger will mit seinem Buch den Wandel beleuchten und die Leser zum Nachdenken anregen, den Einflüssen der Internetwelt entgegenzuwirken.

 

Quelle: http://www.rebuy.de/i,1927962/buecher/das-digitale-nirwana-bernd-guggenberger


 

Zeit

Hintergrundinformation zur Sendung

Raum und Zeit gelten neben der Kausalität und der Sinneswahrnehmung als die Kategorien, die die Kadrage unseres Bewusstseins bilden. Ändert sich unsere Vorstellung von Raum und Zeit, wandelt sich auch die Wahrnehmung und damit die Erfahrung der „Wirklichkeit“.

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Bildquelle: Röll

Die Zeit als Kreis. In früheren Kulturen, die durch ein mythisches Denken geprägt waren, wird die Zeit als Kreis begriffen, als ein sich ewig wiederholender Zyklus. Dabei werden kosmische, vegetative und klimatische Rhythmen unterschieden. Die Beschreibung der Zeit wird als Mythos erlebt. Der Mythos beabsichtigt, das Vergängliche und das Ewige als Gleichzeitigkeit erfahrbar zu machen. Ursache und Wirkung werden im mythischen Denken zu einem Kreis zusammengebunden.

Die Zeit als Sinuskurve. Der durchschnittene Kreis eröffnet eine neue Perspektive. Noch sind die beiden Kreissegmente durch eine Achse aufeinander aufeinander bezogen. Mit der Vorstellung einer Zeit-Achse beginnt die Idee eines Fortschreitens auf einem Zahlenstrahl. Mit der darauf basierenden Zeitmessung entwickelt sich das Bewusstsein von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Die Zeit als Linie. Die Zeit als Linie zu denken, beginnt, wenn ein fixer Punkt (z.B. das Jahr Null) vorstellbar wird. Ab diesem Zeitpunkt wird dann Geschichte erzählt bzw. berechnet. Einer dieser zentralen Fixpunkte, die alles verändern, ist die Einmaligkeit der Existenz eines Messias. Christus ist einmal erschienen (und einmal gestorben). Damit wird ein Datum gesetzt.

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Bildquelle: Röll

Die Zeit als Uhrwerk. Im 14. Jahrhundert wurden Glocke und Zeit miteinander verknüpft. Die Schöpfung wurde nunmehr als eine aufgezogene Uhr verstanden, die auch ohne Konstrukteur läuft. Die kirchlichen Zeiten und die Abläufe im städtischen Leben wurden miteinander synchronisiert. Die Zeitempfindung wurde zu einem abstrakten, für alle gültigen Raster. Anfangs mit und später gegen die Kirche setzte sich die Vorstellung einer objektiven, physikalischen Zeit durch. Es entwickelte sich die Überzeugung einer von allen Dingen und Bewegungen unabhängigen Zeit. Damit in Verbindung steht eine Wandlung des Naturbegriffs. Die Natur wird nunmehr als autonomes, mechanisches Gebilde interpretiert. Das Uhrwerk zwingt dem Körper einen 24-Stunden-Rhythmus auf. Die Anpassung an den 24-Stunden-Rhythmus lässt sich als primäre Beschleunigung bezeichnen.

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Bildquelle: Röll

Die Zeit als Pfeil. Das Zeitalter der sekundären Beschleunigung beginnt mit dem Maschinenzeitalter. Die industrielle Revolution bewirkt mittels Maschinen-Beschleunigungen eine tiefe Veränderung der menschlichen Zeit- und Raumerfahrungen. Bei der Arbeit werden die Menschen mit Zeitverkürzungsapparaten konfrontiert (z.B. lochkartengesteuerter Webstuhl). Die Erfahrung der Beschleunigung (Eisenbahn, Auto) führt zur Überwindung von zeitlichen und räumlichen Entfernungen. Körper und Bewegung bilden einen gemeinsamen Vektor, einen Pfeil in der Zeit. Maschine und Körper werden im übertragenen Sinne zu Pfeil und Bogen, als Ausdruck einer Bewegungsgeometrie und Maschinen-Autonomie.

Die Zeit als Punkt. Im 19 Jahrhundert werden die Telegrafie und Television zum Träger der tertiären Beschleunigung. Nunmehr werden zur Überwindung von Zeit und Raum draht-, bzw. körperlose, immaterielle Botschaften benutzt. Wort, Klang und Signal werden in ihre Bestandteile zerlegt, analysiert und in für Maschinen lesbare Zeichen übersetzt. Durch die Telemedien trennen sich Körper und Signal, Material und Code, Bote und Botschaft. Diese Separation ist die eigentliche Basis der telematischen Kultur. In Folge dieser Entwicklung entstehen beschleunigte Bilder. Ausgangspunkt ist ein Punkt-Intervall-Code. Die Bilder, Daten und Texte werden zu Punkten quantifiziert und auf einen binären Code hin adjustiert.

Die Zeit als temporale Relation. Die Eroberung des virtuellen Raums beginnt, nachdem der reale Raum überwunden ist. Der Computer und das Internet kreieren den virtuellen Raum. Realität und Fiktion lassen sich in dieser Traummaschine verschmelzen. Die Entkörperlichung, das Auflösen des Körpers in Datenströme, führt zu einer weiteren Temporalisierung des Raums. Der Platz vor dem Bildschirm muss nicht mehr verlassen werden. Die Datenfigurationen ersetzen die Welt. In der Cyber-Zeit wird die Botschaft immaterialisiert. Die Botschaften reisen ohne Körper. Ziel ist es, überall sofort da zu sein. Der Raum wird zum Zeichenraum, zum Raum der in ihm reisenden Zeichen. Simultanität kann daher als endgültige Beschleunigung interpretiert werden. Die Null-Bewegung ist daher nach Peter Weibel die ultimative Beschleunigung. Die Vernetzung des Globus durch die Telemaschinen vermittelt ein Bewusstsein der Gleichzeitigkeit aller Lebensvorgänge. Diese Gleichzeitigkeit ist jedoch keineswegs starr und absolut, eher beweglich und relativ. Diese Entwicklung führt dazu, dass wir unsere Vorstellung einer einzigen Zeit aufgeben müssen, an deren Stelle tritt ein System von temporalen Relationen.

Quellen:

Decker, Edith; Weibel, Peter: Vom Verschwinden der Ferne. Köln 1990

Röll, Franz Josef: Cyberspace, die finale Temporalisierung des Raums. Zum Bedeutungswandel unserer Zeit-Vorstellung durch Virtual Reality. In: GMK-Rundbrief, Nr. 36/1994, S. 23-29.


 

Zeit-Psychologie

Bezug zum Manuskript/Audio: S. 8 / 10:18

Wenn sich die Psychologie mit dem Thema „Zeit“ auseinandersetzt, dann geht es ihr vordergründig um die subjektive Wahrnehmung von Zeit und wie sich diese im Laufe des Lebens verändern kann. Je älter wir werden, umso schneller scheint die Zeit vorüber zu gehen. Die Frage, die sich hierbei stellt ist jene, welche Gründe hinter diesem sich wandelnden Erleben von Zeit stecken.

Während die eigene Kindheit und Jugend als langandauernde Periode wahrgenommen werden, verstreichen die Jahre im Erwachsenenalter immer schneller, zumindest gefühlt. Eine Feststellung, die häufig Erschrecken auslöst, da mit dem subjektiven Empfinden der „rennenden Zeit“ die Umsetzung der eigenen Wünsche immer stärker gefährdet wird. Entsprechend werden die individuellen Zielsetzungen dem persönlichen Zeiterleben angepasst. Besteht der Eindruck, noch viel Zeit im Leben zu haben, wird die Energie beispielsweise verstärkt auf Aneignung von Wissen ausgerichtet. Empfinden Personen dagegen ihre Lebenszeit als verkürzt und abgesteckt, so richten sie ihre Interessen eher auf die Regulation von Emotionen.

Mögliche Erklärungsansätze für die beschleunigte Zeitwahrnehmung werden von Isabell Winkler und Peter Sedlmeier erläutert. Die Autoren weisen zum Beispiel darauf hin, dass die Wahrnehmung beschleunigter Zeit immer in Abhängigkeit der bisherigen Lebenszeit als Referenzkriterium betrachtet werden muss. Während für einen 15jährigen zehn Jahre eine lange Zeit sind, da sie zwei Drittel seines gesamten Lebens ausmachen, sind für einen 80jährigen zehn Jahre eine relativ kurze Zeitspanne. Auch die Angst vor dem Lebensende und davor, nicht alles erreichen zu können, was man sich vorgenommen hat, kann dazu führen, dass die Zeit mit zunehmendem Alter „rennt“ und „die Uhr tickt“, zumindest gefühlt. Ein weiterer Erklärungsansatz thematisiert die Bedeutung von Routinen im Alltag. Routinierte Abläufe, so die These, basieren auf Lernprozessen und können zur Folge haben, dass die Erfahrungswerte, die dadurch entstehen, ein verkürztes Zeitempfinden nach sich ziehen. Der zunehmende Automatismus, so die Autoren, beschleunigt demnach unsere subjektive Lebenszeit.

Die Relevanz des Themas wird vor dem Hintergrund einer immer stärker beschleunigenden Gesellschaft offenkundig. Die Schnelllebigkeit, wie wir sie heutzutage in unserem Alltagsgefüge erleben, dürfte dazu beitragen, dass das subjektive Zeitempfinden noch stärker beeinflusst wird, als es ohnehin mit zunehmendem Alter der Fall ist.

Quelle:

http://de.in-mind.org/content/zeitwahrnehmung-ueber-die-lebensspanne


 

Herrschaft der Zeit

Bezug zum Manuskript/Audio: S. 7 / 08:25

Paul Virilio (Philosoph und Kritiker der Mediengesellschaft) setzt sich in seinen Büchern mit dem Aspekt entfesselter Mobilität auseinander, wie wir sie als Bestandteil moderner Gesellschaftsstrukturen kennen. Die zeitlichen und räumlichen Komponenten unserer Welt sind einem stetigen und unwiderruflichem Schwund ausgesetzt, so Virilio. Die Veränderungen haben ihren Ursprung u.a. in der fortschreitenden Revolution moderner Transportmittel. Angefangen mit der Erfindung der Eisenbahn, über die Etablierung des Automobils bis hin zur Nutzung des Flugzeugs als Transportmittel sind Menschen im Verlauf der Geschichte immer stärker dazu befähigt worden, Raum- und Zeitdistanzen zu überwinden. Mit diesem Komfort des Reisens, mit dem weite Strecken zurückgelegt werden können, geht jedoch auch der Verlust an Sinneswahrnehmungen und -eindrücken einher, bemängelt Virilio. Durch die Transportmittel wird der Reisende den visuellen, taktilen, akustischen und Geruchs-Qualitäten seiner Umgebung beraubt.

Eine Zuspitzung erfährt diese Entwicklung, wie Virilio in seinem Essay „Rasender Stillstand“ erörtert, durch die audiovisuellen Medien, welche ihre Konsumenten unaufhörlich und mit rasanter Geschwindigkeit mit Bildern und Eindrücken „bombardieren“. Die Dynamik der Medien trifft jedoch auf die Immobilität ihrer Nutzer. Der fortwährende Informationsaustausch findet auf dem Bildschirm statt. Der Konsument muss sich dafür nicht vom Platz rühren. Die Wirklichkeit, der Alltag werden verbildlicht (u.a. durch Überwachungskameras), die Menschen dadurch zu „allgegenwärtigen Voyeuren und zugleich zu Protagonisten oder Statisten“ (Kuhlmann/Die Zeit). Zeit und Raum werden überwunden. Allgegenwart und „Realzeit“ treten an die Stelle dieser, der Vergangenheit angehörenden, Wahrnehmungsmerkmale.

Jedoch geht mit dieser Entwicklung noch ein weiterer Aspekt einher. Die ungegliederte Umgebung lässt das Ego zum einzigen Bezugspunkt werden. „Dieses Ich vermag sich in keinem raumzeitlichen Kontinuum mehr zu lokalisieren, sondern erfährt sich als leeren, ortlosen Bezugspunkt der auf ihn einstürzenden Bilder.“ (Kuhlmann/Die Zeit). „Die Geschwindigkeit der Bildersprache hemmt die Analysefähigkeit des Betrachters und verfälscht die zwischenmenschlichen Beziehungen; dem Betrachter fehlt es an Abstand zum Gesehenen, demokratisches Denken wird erschwert“, kritisiert Virilio in diesem Zusammenhang.

Einen umfassenden Einblick in Virilios Theorie gibt folgendes YouTube-Video:

http://www.youtube.com/watch?v=_kCfcDzklDs

Taz, die tageszeitung: „Der rasende Stillstand“, 8.9.2012: http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=pb&dig=2012%2F09%2F08%2Fa0047&cHash=7e8c5fea6a85dd6269f58026238f78f4

Rezension von Paul Virilios Buch: Der große Beschleuniger, 2012 http://www.perlentaucher.de/buch/paul-virilio/der-grosse-beschleuniger.html

Vortrag von Hartmut Rosa: Bis zum rasenden Stillstand? (DRadio Wissen) http://wissen.dradio.de/soziologie-bis-zum-rasenden-stillstand.88.de.html?dram:article_id=5582

Quellen:

http://www.zeit.de/1992/16/die-welt-wird-zur-wueste

http://campusphere.de/slowness/archives/1239.html


 

Deutsche Gesellschaft für Zeitpolitik

Bezug zum Manuskript/Audio: S. 11 / 14:55

Die Deutsche Gesellschaft für Zeitpolitik e.V. (DGfZP) ist ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern aus sozial- und naturwissenschaftlichen Fachgebieten, die es sich zum Ziel gemacht haben, Tendenzen der Be- und Entschleunigung der heutigen Zeit in einen lebensfreundlichen Einklang zu bringen und sich für die Nachhaltigkeit von Alltagszeitstrukturen einzusetzen. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der alltäglichen Zeitgestaltung soll den öffentlichen Diskurs zu diesem Thema befruchten und darüber hinaus für politische Entscheidungsprozesse nutzbar gemacht werden.

„Gemeinsam ist uns, dass wir vehement für einen bewussten und demokratischen Umgang mit der Ressource und dem kulturellen Medium Zeit plädieren“, so stellt sich die Gesellschaft auf ihrer Homepage vor. Hierbei kommen vier große Entwicklungslinien zum Tragen: Ökologie der Zeit, Zeiten der Stadt, Zeitwohlstandsforschung und feministische Zeitforschung. All diese Bereiche werden in interdisziplinär gestalteten Projekten untersucht und innerhalb der Gesellschaft vernetzt.

Die DGfZP bringt regelmäßig eine Zeitschrift mit dem Titel „Das Zeitpolitische Magazin“ heraus, in der aktuelle Themen schwerpunktmäßig behandelt werden. Dieses Magazin kann kostenfrei bestellt bzw. heruntergeladen werden über folgenden Link: http://www.zeitpolitik.de/ZPmagazin.html. Darüber hinaus organisiert die Gesellschaft alljährlich eine Tagung, bei der sie zeitpolitische Themen zum Inhalt macht.

Quelle: http://www.zeitpolitik.de/gesellschaft.html


Beschleunigung

Bezug zum Manuskript/Audio: S. 6, S. 7, S. 19 / 07:17, 09:15, 23:06, 23:40

Siehe Zusatzmaterialien 8 – Aufmerksamkeit und die Folgen.

Quelle: Rosa Hartmut: Beschleunigung (2005): Weltbeziehungen im Zeitalter der Beschleunigung, Frankfurt: Suhrkamp 2012.


 

Zukunftsszenarien

Bezug zum Manuskript/Audio: S. 6 / 07:17

Ausgehend von seiner Untersuchung über Bewegung entwickelt Hartmut Rosa (2005, S. 486) vier alternative Zukunftsszenarien, denen er eine unterschiedliche Wahrscheinlichkeit zuspricht.

1. Institutionelle Stabilisierung des Beschleunigungsprozesses. Bei dieser Utopie wird vermutet, das individuelle, kulturelle und politische Handeln könne nach und nach der Veränderungsgeschwindigkeit angepasst werden. Die aktuell zu langsam agierenden sozialen, politischen und rechtlichen Institutionen werden durch dynamischere Einrichtungen ersetzt.

2. Die endgültige Preisgabe des Projekts Moderne. Der Verzicht auf Steuerungs- und Autonomieansprüche kann eine postmoderne Form der Subjektivität hervorbringen, die dazu in der Lage wäre, die spätmodernen Erscheinungsformen der sozialen Beschleunigung zu affirmieren. Eine Voraussetzung für diese Entwicklung wäre eine neue Weise der Wahrnehmung.

3. Gestaltungsanspruch durchsetzen. Diese Utopie geht von der Möglichkeit aus, die Dynamisierungsbewegung auf ein humanverträgliches Maß abzubremsen. Die Frage stellt sich, wer der Träger dieser Entschleunigungspolitik sein könnte.

4. Ungebremstes Weiterlaufen in einen Abgrund. Das Zusammenfallen der Autonomien von Bewegung und Beharrung führt zum rasenden Stillstand als Kehrseite der radikalen Mobilmachung. Ein Kollaps der Ökosysteme und der modernen Sozial- und Werteordnungen wären die Folge, nukleare und klimatische Katastrophen und die Eruption von Gewalt wahrscheinlich.

Literatur:

Rosa, Hartmut (2005): Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne. Frankfurt 2005.


 

Buchvorstellung: The Information Diet Clay A. Johnson

Bezug zum Manuskript/Audio: S. 18 / 22:18, 22:30

Bildquelle: http://ecx.images-amazon.com/images/I/51PlPXIXcuL.jpg

Das Ziel des Buches ist es vergleichbar einer Ess-Diät, Menschen zu sensibilisieren, sich neben gesunden Ernährungsgewohnheiten auch gesundes Informationsverhalten anzugewöhnen. Das Buch richtet sich an Menschen, die produktiv und geistig „gesund“ leben wollen. Clay Johnson zeigt, was man suchen oder besser vermeiden sollte, und wie man im Angesicht so vieler Inhalte und Informationen lernt, Entscheidungen selektiv zu treffen.

Es gibt zwei Arten von Fettleibigkeit, die körperliche und die geistige. Das körperliche Übergewicht kommt durch den Verzehr von zu vielen und/oder ungesunden Lebensmitteln zustande. Durch übermäßigen Konsum von qualitativ schlechten Inhalten kann ähnliches auch mit unseren geistige Fähigkeiten passieren. Was wir essen, können wir selbst bestimmen und kontrollieren. In gleicher Weise können wir auch das, was wir sehen und lesen beeinflussen. Ca. 11 Stunden des Tages befinden wir uns in einem Zustand konstanten Verbrauchs von Informationen. Dabei sind wir allein dafür verantwortlich, dies alles zu sortieren und zu entscheiden, was für uns wichtig ist.

Über Clay Johnson

Clay Johnson ist Gründer von „Blue State Digital“, einer Firma, die 2008 die Online-Kampagne von Barack Obama bei seiner Wahl zum Präsidenten der USA organisierte. Nach dem Verlassen von Blue State Digital wurde Johnson Direktor der „Sunlight Labs“ an der „Sunlight Foundation“, wo er 2000 Entwickler und Designer bei der Erstellung von Open Source-Tools trainierte, um den Menschen einen besseren Zugang zu staatlichen Daten zu ermöglichen. 2009 wurde er mit dem „Google/O’Reilly Open Source Organizer“ des Jahres  ausgezeichnet.

Video:

http://www.youtube.com/watch?v=lNFNOSzik14

Quellen:

http://www.informationdiet.com

http://boingboing.net/2012/02/07/excerpt-from-the-information-d.html

http://www.npr.org/2012/01/14/145101748/is-it-time-for-you-to-go-on-an-information-diet

http://shop.oreilly.com/product/0636920019978.do

http://www.jornalistasdaweb.com.br/2012/06/20/livro-dieta-da-informacao


Apps für Zeitmanagement am Rechner

von Anja Krieger

RescueTime
quantifiziert die Nutzung des Rechners nach Zeit, Anwendungen und Effizienz http://www.rescuetime.com

TimeOut
fordert Computer-Nutzer zu regelmäßigen kurzen und längeren Pausen auf http://www.dejal.com/timeout/

SelfControl
verhindert mittels eine schwarzen Liste, dass man auf bestimmte, ablenkende Webseiten geht http://selfcontrolapp.com

sanebox (kostenpflichtig)
will verhindern, dass man in E-Mails ertrinkt, indem nur wichtige Nachrichten in Echtzeit durchkommen, weniger wichtige kommen nur als „Digest“ nur zu bestimmten Zeiten http://www.sanebox.com/l/vid_tour/

Adblock Plus
unterdrückt bei den Browsern Firefox und Chrome die Werbebanner und Anzeigen

Read-it-Later Dienste wie Pocket und Instapaper
speichern interessante Webseiten für spätere Lektüre http://getpocket.com / http://www.instapaper.com


Slow Media Manifest

Hintergrundinformation zur Sendung

„Slow Media sind ein Beitrag zur Nachhaltigkeit: Nachhaltigkeit bezieht sich auf die verwendeten Rohstoffe und Prozesse und die Arbeitsbedingungen, auf deren Grundlage ein Medium produziert wird. Ausbeutung und Niedriglohnsektoren können ebenso wie das bedingungslose Ausschlachten der Nutzerdaten keine nachhaltigen Medien zum Ergebnis haben. Zugleich bezieht sich der Begriff auch auf den nachhaltigen Konsum von Slow Media“.

Quelle: http://www.slow-media.net/manifest


 

Glossar

Trackpad

Bezug zum Manuskript/Audio: S. 4 / 02:42

Bei einem Trackpad handelt es sich um eine rechteckige Fläche, die die Maus (PC) ersetzt. Durch Berühren dieser Fläche kann man die Maus steuern und unterhalb dieses Feldes befinden sich zwei Tasten, welche die zwei Tasten bei einer PC-Maus ersetzen. Anwendung findet es bei Netbooks, Laptops, etc.

Quelle: http://www.bullhost.de/t/trackpad.html


Interviewte Personen

Bernd Guggenberger

Bezug zum Manuskript/Audio: S. 2, S. 12, S. 13 / 01:03, 17:00, 17:28, 18:21

ist Professor für Politische Wissenschaft an der Lessing-Hochschule zu Berlin, an der er auch den Posten des Rektors innehat. Darüber hinaus ist Guggenberger als Publizist, bildender Künstler und Schriftsteller tätig. Im Rahmen seiner akademischen Karriere war er an den Universitäten in Freiburg i. Br., Bielefeld, Osnabrück, Stanford, Cal. (USA) und Berlin (FU) tätig. Neben seinem wissenschaftlichen Aufgabenspektrum arbeitet Guggenberger zusätzlich für große überregionale Zeitungen und für den Bereich Funk und Fernsehen. Die Exponate seiner künstlerischen Ambitionen können auf Ausstellungen im In- und Ausland besichtigt werden.

Ausgewählte Titel seiner Publikationsliste sind u.a. „Einfach schön. Schönheit als soziale Macht“ (1995), „Das digitale Nirwana“ (1997) oder „Sein oder Design“ (2003). Im Bereich Lyrik veröffentlichte er z.B. „Blaue Blume rot“ (1969), „Dieser Stein denkt jetzt an Wien“ (1987), „Der Wind steht gut für ein großes Geheimnis“ (1989), „Die Asche der Revolution“ (1990) u. a.

Quellen:

http://www.appelt-mediaservice.de/Internet%20Bernd/Bernd_Guggenberger/Biographie.html

http://www.lessing-hochschule.de/

 

Kathrin Passig

Bezug zum Manuskript/Audio: S. 4, S. 5, S. 17, S. 18 / 03:21, 03:37, 04:10, 04:29, 04:41, 05:49, 21:36, 21:55

ist Journalistin und Schriftstellerin. Im Jahr 2006 gewann sie den Ingeborg-Bachmann-Preis. Die Wahl-Berlinerin arbeitet für diverse Zeitungen, wie z.B. für die Berliner Zeitung, die tageszeitung, GEO, c’t, Merkur, Spiegel Online und für die Süddeutschen Zeitung. Kolumnen, die sie mit Co-Autoren für die taz und die Berliner Zeitung geschrieben hat, wurden als Buch veröffentlicht. Passig war 2002 Mitbegründerin der „Zentrale Intelligenz Agentur“ in Berlin und fungierte dort bis 2009 als Geschäftsführerin. In den Aufgabenbereich der Agentur, welche als ein Zusammenschluss von Schriftstellern, Journalisten und Web-Designern anzusehen ist, fallen Textgestaltung, Webdesign und die Organisation von Kulturveranstaltungen. Außerdem betreibt die Agentur den Weblog „Riesenmaschine“, der auch von Passig inhaltlich mitgestaltet wird. Dieser Blog wurde 2006 mit dem „Grimme Online Award“ ausgezeichnet.

Kathrin Passig und Sascha Lobo: Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin, 2008.
Webseite zum Buch http://prokrastination.com
Das Internet jenseits üblicher Projektionen http://www.youtube.com/watch?v=NCB_OalbLH4

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Kathrin_Passig

http://kathrinpassig.kulturindustrie.com/pages/uebersicht.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Zentrale_Intelligenz_Agentur

 

Jürgen Rinderspacher

Bezug zum Manuskript/Audio: S. 10, S. 11, S. 16, S. 17 / 13:07, 13:18, 13:50, 14:18, 15:20, 19:18, 20:01

studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Theologie in Berlin und war anschließend als kirchlicher Sozialarbeiter, freier Publizist und Musikpädagoge tätig. 1984 schloss er seine Promotion ab. Mittlerweile ist Rinderspacher Dozent für Wirtschafts- und Sozialethik sowie Ethik der Zeitverwendung und Zeitökonomie an der Uni Münster. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte und Interessensgebiete beziehen sich auf die sozialwissenschaftliche Zeitforschung, vor allem in Hinblick auf die Bereiche Arbeit, Familie, Freizeit, Zeitinstitutionen, Umwelt, Zeitmodi, Zeittheorie sowie Alter und Pflege. Eine Übersicht über seine Publikationen wird auf der Seite der Universität bereitgestellt.

Artikel: Zeitwohlstand – Kriterien für einen anderen Maßstab von Lebensqualität http://www.zeitpolitik.de/pdfs/rinderspacher_zeitwohlstand.pdf
Deutsche Gesellschaft für Zeitpolitik http://www.zeitpolitik.de
Das Zeitpolitische Magazin ZpM Nr. 18  Juli 2011: In der digitalen Informationsflut http://www.zeitpolitik.de/pdfs/zpm_18_0711.pdf

Quellen:

http://egora.uni-muenster.de/ethik/personen/rinderspacher.shtml

http://egora.uni-muenster.de/ethik/personen/rinderspacher.shtml

 

Hartmut Rosa

Bezug zum Manuskript/Audio: S. 2, S. 6,S. 7, S. 8, S. 8, S. 12, S. 17, S. 19 / 00:31, 06:46, 07:13, 07:39, 08:53, 09:44, 10:56, 16:11, 20:46, 23:06

studierte Politikwissenschaft, Philosophie und Germanistik an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau und promovierte zum Thema „Identität und kulturelle Praxis. Politische Philosophie nach Charles Taylor“ an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 2005 lehrt Rosa als Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena.

Rosas Forschungsschwerpunkte lassen sich in folgende vier Bereiche gliedern:

1.)    Zeitsoziologische und modernetheoretische Untersuchungen, vor allem vor dem Hintergrund technischer Entwicklungen und ökonomisch induzierter, sowie sozialer Beschleunigungstendenzen.

2.)    Die Kommunitarismus-Debatte (und hierbei insbesondere die Auseinandersetzung mit Charles Taylor).

3.)    Bildungs- und Mobilisierungsressourcen (auch in Hinblick auf ehrenamtliches bzw. zivilgesellschaftliches Engagement).

4.)    Die ideengeschichtliche Perspektive auf die Wissenschaftstheorie der Sozialwissenschaften.

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Hartmut_Rosa

http://www.soziologie.uni-jena.de/HartmutRosa.html

Rosa, Hartmut: Beschleunigung. Suhrkamp 2005. / Weltbeziehungen im Zeitalter der Beschleunigung, Suhrkamp 2012.


 

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